Offener Brief

Michael Müller
Regierender Bürgermeister

Dilek Kalayci
Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

Sören Benn 
Bezirksbürgermeister Pankow

Andreas Geisel
Senator für Inneres und Sport

Berlin, den 15.05.2020 

Lockerungen für das Training in Sportvereinen

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,
sehr geehrte Frau Senatorin für Gesundheit, Pflege, Gleichstellung,
sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister,
sehr geehrter Herr Senator für Inneres und Sport

sehr erleichtert haben wir die Lockerungen für das Training von Sportvereinen in der sechsten Verordnung zur Änderung der Eindämmungsverordnung von SARS-Cov-2 Eindämmungsmaßnahmenverordnung vom 07.05.2020 aufgenommen. Nach 8 langen trainingsfreien Wochen haben wir sofort begonnen, Konzepte zu entwickeln, wie wir unseren über 650 Vereinsmitgliedern ein Training anbieten können, das wieder über Online-Anleitungen und Hometraining hinausgehen kann. Unser Verein dessen Mitglieder hauptsächlich Judo, Tanz und Sport, Turnen, Yoga, Fitness-Mix, Capoeira, Akrobatik und Gymnastik betreiben, hatte Anfang des Jahres noch 720 Mitglieder. Unsere 82 wöchentlichen Trainingsgruppen, die wir mit vier hauptamtlichen und 15 ehrenamtlichen Honorartrainern in einer Gruppenstärke mit bis zu 26 Kindern auf der Matte auf eine Teilnehmerstärke von 8 Teilnehmern inklusive Trainer umzustellen, ist an sich schon eine Herausforderung aber eben ein guter Anfang..
Bei der Planung haben wir als Verein natürlich entschieden, dass wir unter Einhaltung der Gruppenstärke, der Abstands- und Hygieneregeln kein gewohntes Training (hier mal beispielhaft Judotraining ) anbieten können. Dennoch waren wir froh, dass wir zumindest im Freien ein Athletik-, Kraft- und Ausdauertraining und spezifische Einzelübungen durchführen können.
Wir wollten nun ab Montag, den 18.5. mit den ersten Gruppen in einer nahegelegenen Grünanlage starten. Nachdem wir heute vom Bezirksamt nochmals eine E-Mail mit der Verordnung zur Lockerung der Corona-Maßnahmen erhalten haben, mussten wir feststellen, dass das Training ausschließlich auf zugelassenen Sportanlagen stattfinden darf. Nach Rückfragen beim LSB und den Informationen vom Bezirksamt mussten wir dann auch zur Kenntnis nehmen, dass es keine Chance auf eine Zuweisung einer Sportstätte gibt. Als „Indoor-Sportarten“ können wir keine Schulhöfe oder Außen- Sportanlagen nutzen, die aber auch ohnehin alle belegt sind.

Nach unserer Freude kommt nun wieder Frustration. Wir haben folgende Fragen, auf die wir Antworten erwarten oder Lösungen erhoffen.

  1. Warum ist ein Training auf einer Grünfläche oder in Parks nicht möglich? Was ist der Unterschied zu einer Sportanlage? Für uns wäre ein Trainingsneustart auf einer öffentlichen Wiese eine vollkommen akzeptable erste Lösung.
  2. Alle Sportarten, die im Normalfall in der Halle stattfinden, sind dadurch in einem massiven Nachteil gegenüber allen Freiluftsportarten, vom Profisport ganz zu schweigen! Wie sollen wir unseren Sportlern erklären, dass Fußballer und Leichtathleten trainieren dürfen und wir nicht?
  3. Warum kann in einer großen Sporthalle kein Training angeboten werden, worin liegt der Unterschied zur Öffnung von Einkaufsläden und Einkaufscentern über 800 Quadratmeter? Abstand ist in einer Sporthalle (durch Fenster und große Türen wäre eine entsprechende Durchlüftung möglich) bei max. 7 Sportlern noch viel einfacher möglich (wahrscheinlich wären sogar 2 Gruppen aufgrund der großen Fläche darstellbar). Mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst ein Trainer das Abstands- und Hygieneverhalten der sieben disziplinierten Sport-Teilnehmer besser als ein am Eingang stehender Security Angestellter das Verhalten der im Einkaufszentrum verteilten unbekannten Kunden.

Uns ist durchaus bewusst, dass wir alle einen Beitrag zur Eindämmung des Virus leisten müssen, dennoch wünschen wir uns etwas mehr Gehör für alle Sportarten abseits des Mainstreams. Alle unsere Sportler und Verantwortlichen fiebern der Neuaufnahme des Trainings entgegen. Für die Kinder und Jugendlichen ist das ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität, für die Vereine ist das wieder ein kleiner Schritt die Existenzbedrohung abzuwehren

Wir hoffen auf ein sinnvolles Einlenken aller Verantwortlichen!

Mit freundlichen Grüßen

Udo Tietz             Oliver Reimann           Sarah Knospe

1.Vorsitzender      2.Vorsitzender            3.Vorsitzende